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Blogbeitrag von Ute Rott, Hundeschule Forsthaus Metzelthin

Gute Frage, oder? Was ist Bindung?
Und die nächste gute Frage lautet: wie kriege ich das hin, dass mein Hund eine gute Bindung zu mir aufbaut?
Und: Machen Sie auch Bindungsarbeit?
Das sind so Fragen, die bekomme ich bei Erstgesprächen sehr oft zu hören.

Wenn wir diese Fragen jemandem stellen, der auf Dominanz und Hierarchie und Dinge wie „ich bin der Boss“ steht, dann sind die Antworten klar: wenn der Hund mich als seinen Lebensmittelpunkt betrachtet, wenn er nur auf mich achtet, wenn er prompt und zuverlässig gehorcht, dann hat er eine gute Bindung. So weit, so absurd. Sollte das stimmen, hätte in den vergangen 38 Jahren kein einziger meiner Hunde eine gute Bindung zu mir gehabt.

Wo bin eigentlich ich Mensch in diesen Fragen? Was ist mit meiner Bindung zu meinem Hund? Wie baue ich eine gute Bindung zu ihm auf? Welche Bindungsarbeit muß ich denn leisten? Und: warum stellen meine Kunden diese Fragen nie?

Weil Theorie gerade bei diesem Thema sehr verschwommen ist, möchte ich das mal mit einer Episode aus einem Erstgespräch erklären, was es mit „Bindung“ auf sich hat. Eine Freundin von mir bat mich, mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und dem neuen Hund ein Beratungsgespräch zu führen. Es ist der erste Hund der beiden, ein ca. 2 Jahre alter Labradorrüde, Scheidungswaise. Wir verbrachten fast zwei Stunden zusammen bei einem sehr positiven Gespräch. Sie fragten viel, ich antwortete so gründlich und ausführlich wie nur möglich. Die ganze Zeit hatte ich den Eindruck: hier ist mal der richtige Hund bei den richtigen Menschen gelandet. Klar gibt es noch das eine oder andere, das sich noch richten muß, aber das wird schon klappen.

Bindung spielte natürlich auch eine Rolle. Mir fiel auf, dass ein Unbeteiligter vermutlich nie auf die Idee gekommen wäre, dass der Hund erst seit ein paar Wochen bei den beiden war. Er ließ sich ganz unkompliziert abrufen, war immer in der Nähe, war sehr aufmerksam ohne gestresst zu wirken, alles in allem eine sehr erfreuliche, runde Sache. Und jetzt kommts: Bindung – wie baue ich die auf?

Die Tochter erzählte mir mit strahlenden Augen von ihrem Morgenspaziergang. Meine Freundin wohnt in einem kleinen uckermärkischen Dorf am Ortsrand und von ihrem Haus kann man wunderbare Spaziergänge über die zur Zeit kahlen Felder unternehmen. Die Wege und Felder sind durchsetzt mit großen und tiefen Pfützen – ein Paradies für Labradore.  Das beste an diesem Morgenspaziergang waren natürlich diese Pfützen, in die der Süße sich mit wahrer Wonne hineinstürzte, durch die er tobte und darin plantschte. Und sein Frauchen – eine stinknormale Berliner Rechtsanwältin ohne jede Hundeerfahrung – stand am Rand, wurde von Kopf bis Fuß mit Dreck bespritzt und freute sich ein Loch in den Bauch. Die helle Begeisterung stand ihr immer noch ins Gesicht geschrieben.

Ich sehe schon die Fragezeichen über manchen Köpfen: was hat denn das mit Bindung zu tun?

Eine ganze Menge würde ich sagen. Da ist ein Hund abgegeben worden und mit großer Sorgfalt, weil man ihn ja liebt und nicht gerne hergibt, sucht man ihm einen guten Platz und findet ihn auch. Für den Hund ist das trotzdem eine schwere traumatische Erfahrung, und zwar um so mehr, wenn er sich vorher wirklich geliebt gefühlt hat. Unser kleiner Freund wurde mit offenen Armen und warmen Herzen empfangen. Die beiden beobachten ihn ganz genau, was er möchte, wie man es ihm ermöglicht, wann und wo er sich wohlfühlt….. sie tun alles, um ihm das neue Zuhause und seine neuen Menschen so angenehm wie nur gerade möglich zu machen. SIE fühlen sich verantwortlich dafür, dass er sich wohlfühlt, sie erwarten NICHT, dass er sich sofort zu 100% anpasst. Und dazu gehört, dass man sich mit seinem Freund freut, wenn er sich freut. Auch wenn man voller Dreck und Speck vom Spaziergang zurückkommt.

Das, liebe HundefreundInnen, das hat sehr viel mit Bindung zu tun. Mit dem bedingungslosen Annehmen eines Hundes, der sein Zuhause verloren hat, der neue Orientierung, viel Liebe und Verständnis braucht – und das bekommt er auch. Und dafür sind WIR zuständig, wir Menschen.

Mir geht das Herz auf, wenn ich solche Dinge erlebe. Wenn ich sehe, dass Menschen nicht einfach mit Begriffen um sich werfen, wenn  sie alles ihnen Mögliche tun, um einem Hund das Ankommen zu erleichtern, wenn sie mit ihm leben und an seinem Leben teilhaben, aktiv und mit Freude. Und dann muß man sich keine Gedanken mehr über Bindung und die schwere Arbeit zu einer guten Bindung zu machen. Dann hat man den Samen in gute und nahrhafte Erde gelegt und es kann eine schöne Pflanze daraus werden.

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