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Von Anja Petrick, Hundeschule Hund-er-leben

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Jeder der einen Welpen hat kennt das: die Zähnchen vor dem Zahnwechsel sind spitz, die kleinen Fellknäuel haben die Beißhemmung noch nicht richtig gelernt und schon tut es weh … Hände, Arme, Füße – nichts ist vor den kleinen Schnappschildkröten sicher und das kann bei sehr wilden Exemplaren extrem unlustig werden.

Wenn der kleine Welpe seine „wilden 5 Minuten“ hat können folgende Dinge helfen:

  • Laut „Aua“ sagen und wegdrehen, das Spiel abbrechen sobald der Welpe zu fest beißt. Bei manche hilft das schon.
  • Versuchen auf ein Spielzeug umzuleiten in das der Welpe beißen kann, anstatt uns als lebendes Spielzeug zu gebrauchen.
  • Oft kündige sich die „Anfälle“ an, z.B. zu bestimmten Uhrzeiten, nach dem Gassi gehen etc. BEVOR der Welpe nun so wild wird biete ich ihm etwas zu kauen an, Welpengerechte Kaustangen oder einen gefüllten Kong. Kauen beruhigt, so kann er sich an der Kaustange oder am Kong „in die Ruhe kauen“.
  • Räumlich durch ein Kindergitter begrenzen. Wird der Welpe zu heftig kann man selbst über das Kindergitter steigen oder die kleine Schnappschildkröte dahinter setzen. So wird er nicht weggesperrt, sieht, hört und riecht seine Menschen noch aber es ist ein effektiver Spielabbruch. Hier ist es wichtig den Welpen erst wieder dazu zu holen wenn er sich auch wirklich beruhigt hat und einen Moment ruhig war! Wenn er gleich wieder anfängt zu beißen wenn man ihn dazu holt, gleich wieder hinters Kindergitter setzen.
  • Selbst ruhig bleiben. Wenn ihr schimpft und laut werdet puscht das euren Welpen nur noch mehr hoch. Statt dessen selbst ruhig bleiben und das Ganze nicht als persönlichen Angriff sehen. Manche Welpen brauchen einfach unsere Hilfe um besser zur Ruhe zu kommen!

Grundsätzlich gilt: Nicht zu viel mit dem Hundebaby machen. Welpen die permanent bespaßt werden, viel zu lange Spazieren geführt werden und mit denen sehr wild gespielt wird tendieren deutlich extremer dazu zu Schnappschildkröten zu werden.

Fürs Gassi gehen gilt: pro Lebenswoche 1 Minute Spazieren gehen. Ihr dürft mehrmals am Tag gehen, aber am Stück nur so viele Minuten wie euer Welpe an Lebenswochen alt ist.

Je wilder und heftiger ihr mit eurem Welpen rangelt und zergeht, je heftiger geht auch euer Welpe mit euch um. Und das wird nicht besser je älter er wird …

Welpen brauchen 18-22 Stunden Ruhephasen und Schlaf am Tag!

Viele machen den Fehler und gehen viel zu lange und machen zu viel. Dann stresst sich der Welpe hoch und ihr denkt er braucht noch mehr Auslastung. Was zu einem gestressteren und dadurch unleidigeren und wilderen Welpen führt.

Also, entspannt euch, geht liebevoll mit eurem Fellkind um und erklärt ihm freundlich die Menschenwelt und lasst ihm Zeit zum lernen. Keiner von uns hat nach dem Kindergarten sofort seinen Schulabschluss gemacht, allerdings habe ich oft das Gefühl dass genau das von den Welpen verlangt wird. Und diesem Anspruch kann kein Hund stand halten.

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Von Britta Laupichler, Hundeschule Hund-aufs-Herz

Beistehen ausdrücklich erwünscht

Es ist bekannt, dass Hunde sehr soziale Lebewesen sind. Der genetische Vorfahre Wolf lebt in klar strukturierten Familienverbänden in denen es im großen Teil darum geht, miteinander zu kommunizieren, zu interagieren und voneinander zu lernen. Und das Alles meist recht harmonisch.
Auch unsere Hunde sind oft bereit, sich dem Menschen eng anzuschließen, gar, sich führen zu lassen von uns. Zu einer guten Führung gehört auch das Beistehen in verunsichernden, anstrengenden oder gar schwierigen Situationen.

Leider sehe ich immer wieder Menschen, die ihren Hunden in eben solchen Situationen nicht beistehen. Mir kommt ein Mensch mit 2 Hunden entgegen, wovon 1 Hund sehr gut sichtbar sich vor uns, vor mir, vor meinen Hunden fürchtet. Und zwar so sehr fürchtet, dass er seinem Menschen und seinem Hundekumpel nicht weiter folgt, als diese uns entgegen kommen. Der Mensch mit seinem „mutigen“ Hund geht grüßend an uns vorbei, der 2te Hund will das offensichtlich auch, doch er hat Angst. Er bleibt 20 Meter vor uns stehen. Läuft dann unsicher hin und her, sucht einen Weg, um zu seiner Gruppe zu kommen. Der Mensch des ängstlichen Hundes bleibt irgendwann stehen, ruft seinen Hund, freundlich, lockt und ruft. Nichts passiert.

Da mir der ängstliche Hund leid tut und ich zudem verhindern will, dass er in seiner Not auf die Straße läuft, weiche ich mit meinen Hunden ca. 8 Meter in den Wald aus. Sobald wir im Wald stehen RENNT der 2te Hund zu seinem Menschen. Hier wird er freundlich empfangen.

Ich freue mich, dass sein Mensch nett zu ihm ist. Aber: warum musste er, der Hund, das alleine durchstehen?

Wenn ich weiß, dass mein Hund Angst vor etwas hat, dann lasse ich ihn doch nicht in genau so einer Angstsituation ALLEINE! Nein, ich gehe mit meinem Hund gemeinsam durch die Situation, oder lasse diese vorbeiziehen. Auf jeden Fall stehe ich ihm bei!

Es geht hier nicht nur um Menschlichkeit, sondern auch darum, was und wie ein Hund lernen kann.

Viele sagen: „Nur wenn er alleine diese Angstsituation überwindet, lernt er in Zukunft damit umzugehen. Wenn ich ihm helfe, dann ‚betüdele’ ich ihn.“

Leider ist dieser Glaube immer noch sehr weit verbreitet. Ich bin davon überzeugt, dass es anders ist.

Wenn der Mensch seinem Hund beisteht in schwierigen Situationen KANN der Hund lernen, diese Situation zu meistern. Durch die Hilfe des Menschen. Mit Hilfe ist übrigens oft nicht mehr als ein neben dem Hund laufen, bei dem Hunde stehen gemeint. Eben: bei ihm zu sein. Oft ist der Hund ja erst fähig mit Hilfe vom Menschen für ihn schwierige Situationen zu bewerkstelligen. Und oft erleben wir, dass der Hund dann peu à peu lernt, auch mit weniger Hilfe anstrengende Begegnungen zu schaffen. WEIL er anfangs MIT seinem Menschen gelernt hat: hey, das geht ja doch irgendwie.

Wenn ich sehe wie Menschen ihren ängstlichen Hund alleine lassen, ihm nicht beistehen, habe ich manchmal das Gefühl, sie sind selber unsicher, und es ist ihnen unangenehm wenn sie nun ihren Hund begleiten (vielleicht ist es auch noch ein stattlicher Schäferhund, oder ein knackiger Boxer). Wie sieht das denn aus, wenn man den an „die Pfote nimmt“?

Ganz ehrlich? Das sieht wunderbar aus!

Wir müssen uns doch nicht für unser Mitgefühl und unsere Fürsorge schämen! Ganz und gar nicht!

Es ist ein gutes Gefühl seinem Hund beizustehen, schwierige Momente zusammen zu meistern, und somit auch gemeinsam an der Situation zu wachsen. Jeder Hund hat es verdient, freundlich & souverän geführt zu werden – das tut gut: Hund & Mensch.

Also: Beistehen ausdrücklich erwünscht!

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Bella

Von Britta Laupichler, Hundeschule Hund-aufs-Herz

JA-Sagen ausdrücklich erwünscht

Hunde sind kommunikative Tiere, das ist bekannt. Damit meine ich nicht, dass sie den ganzen Tag bellen oder Laute von sich geben. Damit meine ich, dass sie sehr gut nonverbal kommunizieren, sowie sehr gut auf unsere Worte und Gesten reagieren können. In vielen Fällen lernen Hunde auch auf diese Art und Weise. Sie lernen von uns was wir von ihnen wollen und was uns missfällt, indem sie unsere Stimme hören und unsere Gesten und Mimik sehen.

Wir sollten diese enorme Kommunikations- und Lernfähigkeit der Hunde ernst nehmen und „nutzen“.

Wenn z. B. ein aufgeregter, junger Hund lernen soll, beim Anblick von Radfahrern ruhig zu bleiben, so bestätige ich sein ruhiges Verhalten (dieses zeigt er bis zu einer gewissen Distanz) mit lobenden Worten, Futterbelohnung, evtl. Streicheln (wenn das den Hund nicht zu sehr aufregt). So kann der Hund es schaffen, den für ihn schwierigen Reiz passieren zu lassen, ohne in die Leine zu preschen, zu bellen, sprich unerwünschtes Verhalten zu zeigen.

Wichtig sind hierbei die Distanz und das Timing. Ich muss den Hund loben und dadurch belohnen solange er ruhig ist und BEVOR er sich aufregt.

Hier geht es los mit dem Ja-Sagen. Bestätigen wir doch das erwünschte Verhalten des Hundes indem wir sagen “Ja, Bello, so ist es gut. Prima machst du das“. Dadurch festigen wir das Verhalten was wir uns in dem Moment wünschen. Der Hund erfährt, dass das, was er gerade tut, nämlich in diesem Beispiel sich ruhig verhalten, genau das Richtige ist. Durch unser Lob, Leckerle wird er genau in diesem Verhalten bestätigt und zudem fühlt er sich wohl durch unsere freundliche Ansprache, was wiederum dazu führt, dass er sich eher entspannen kann.

Das alles sind absolut positive Effekte, einfach nur indem wir „Ja“ sagen.

„Ja“ statt „Nein“.

Das „Nein…“ ist leider das, was ich häufig sehe. Das „Nein, hör auf, sei still, lass das“, meist in einer unfreundlichen Stimmlage, meist auch von Leinengerucke begleitet.

Was ist da passiert? Der Hund kommt in eine für ihn schwierige Situation, z.B. eine enge Begegnung mit einem fremden Hund (enge Begegnung können auch 8 Meter sein). Der Mensch steht schweigend mit seinem angespannten Hund an angezogener Leine und will den fremden Hund passieren lassen. Dann bellt sein Hund und springt in die Leine, und dann kommt „Nein, lass das, hör auf…“.

Hier ist „Ja“-Sagen absolut erwünscht. Nicht solange warten bis der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt (womit wir ja meist eh schon rechnen, sprich: wir wissen meist, dass es passieren könnte oder sogar wird), sondern VORHER den Hund im richtigen, von uns erwünschten Verhalten bestätigen „Ja, prima Bello, ruhig gucken, so machst du es gut“.

Das ist nicht schwierig, man muss es nur tun!

Ja, ab und an muss der Mensch mit seinem Hund eine größere Distanz zu dem schwierigen Reiz herstellen, damit sein Hund ruhig bleiben kann, damit der Mensch seinen Hund belohnen kann!

Der Effekt dieses Verhaltens ist enorm: der Hund lernt das sein ruhiges Verhalten belohnt wird (d.h. er wird es in Zukunft häufiger zeigen), der Hund lernt, dass sein Mensch entspannter mit ihm unterwegs ist, der Hund lernt, dass sein Mensch ihn souveräner führt auch in scheinbar anstrengenden Situationen, der Hund lernt, dass er sich nicht aufregen muss, weil die Distanz zu dem schwierigen Reiz für ihn ok ist.

Alles positiv!

Also: JA-SAGEN ist unbedingt erwünscht!

 

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Von Anna Schremser, Hundeschule Dog to Me, www.dogtome.at

 

„Bello, nein! Nein! Nein! Neiiiin!“ So dröhnt es aus Nachbars Garten. Bello sieht aber nur die Wurst in Frauchens Hand und springt ständig hoch. Er stellt sich auf die Hinterbeinchen und tapst mit der rechten Vorderpfote auf Frauchens Knie. „Nein! Bello! Nein!“ keift diese immerfort. Bello versucht etwas anderes. Er fiebt und winselt. Das scheint nicht zu helfen. Also springt er abermals hoch um an die Wurst zu kommen. Doch Frauchen will nicht verstehen und schreit immer wieder nur „Nein! Bello, nein! Neiiiiin! So nicht!“

Bello wird immer ungeduldiger und hechelt aufgeregt. Die Zunge hängt weit aus seinem Maul, mit nicht minder weit aufgerissenen Augen die Wurst fixierend. Er bellt sein Frauchen an. Tänzelt vor ihr herum um irgendwie an die Wurst zu kommen. Er setzt sich hin und steht auch schon wieder auf um an Frauchen erneut hochzuspringen. Doch diese fuchtelt nur mit der Wurst in der Hand herum und keift wie ein Maschinengewehr das Wörtchen „Nein!“ in Bellos Richtung.

Nach wie vor strengt sich Bello an. Er ist ein kleiner Spitz-Mischling und so schnell gibt ein Spitz nicht auf! Zu verlockend ist der Duft der Wurst. Bello versteht die Welt nicht mehr und hechelt immer hastiger, springt höher und höher und wird dabei richtig hysterisch. Frauchen schubst ihn auf die Seite und kennt wohl nur ein Wort: NEIN!

Bello ist mit den Nerven am Ende und setzt sich erschöpft hin. Er beginnt sich zu kratzen und da… endlich! Die Wurst bewegt sich in seine Richtung. Hastig schnappt er danach und erwischt wohl dabei Frauchens Finger. Wie Frauchen darauf reagiert? Ja genau.. sie zischt ein „Nein, Bello!“ auf den armen kleinen Knirps.

Bello ist erledigt. Völlig erschöpft. Zugleich kann er jedoch nicht anders als das nächst beste herumliegende Stofftier zu schnappen um aufzureiten. Dann packt er es mit dem Maul und schüttelt es. Frauchen springt hin und will es ihm wegnehmen. Sie denkt wohl er will spielen und der Dialog geht eintönig weiter wie bisher.

Ich frage mich bei solchen Szenen, was der Hund dabei lernen soll? Was die Besitzer eigentlich damit bezwecken wollen und sie sich überhaupt denken? Was sollte Bello also tun? Das wurde ihm weder gesagt und schon gar nicht gezeigt. Hellseherische Kenntnisse werden anscheinend vorausgesetzt, anders kann ich es mir nicht erklären.

Bello ist damit keineswegs alleine. Das Wörtchen „Nein!“ ist aber auch zu verlockend! Fehlt nur noch, dass die Besitzer beginnen bis Drei zu zählen. Und sie dann erwarten, dass Hund bei Drei das tut, was sie verlangen. Und das soll Hund schließlich aus deren Gedanken lesen. Hunde können ja sowas. Noch viel schlimmer: Sie machen das nur, weil sie uns Menschen eins auswischen wollen. Weil sie’s uns zeigen wollen, mitunter ach so dominant sind (einen Lacher muss ich mir jetzt direkt verkneifen) und aus Protest das jetzt einfach nicht machen. Schluss mit Sarkasmus.

Wie kann mans nun besser machen?

In erster Linie muss dem Hundehalter überhaupt mal klar sein, welch’ ein Verhalten er denn gerne hätte und dieses gewünschte Verhalten sollte dann auf positive Weise bestärkt werden. Man nennt es „positive Verstärkung“, dh man fügt etwas Gutes hinzu, wie zB ein Leckerli oder Spielzeug. Was für den Hund eine tolle Belohnung ist, kann man leicht herausfinden. Jeder Hund präferiert etwas anderes: die einen fahren auf Futter ab, während die anderen ihrem Lieblingsquietschi den Vorzug geben. 

Jedenfalls muss das gewünschte Verhalten Hunden erst schrittweise gelernt und somit gezeigt werden. Woher sollte Bello wissen was Frauchen will? Sollte er sich hinsetzen oder hinlegen? Sollte er Laut geben oder einfach ruhig auf die Wurst warten um zB an der Impulskontrolle zu arbeiten? 

Achtet man dann auch noch auf eine klare Körpersprache, fällt es auch dem Hund leichter zu verstehen. Hunde achten nämlich viel mehr darauf, als aufs gesprochene Wort. 

Dem Hund Grenzen aufzuzeigen und Regeln vorzugeben ist wichtig, sofern man auch konsequent ist. Dies gibt Hunden wiederum Sicherheit und Klarheit. Denn wenn wir in unserem Handeln und unserer Erwartung dem Hund gegenüber inkonsequent sind und es jedes Mal anders machen, verwirren wir ihn nur unnötig, wodurch der Hund wiederum in Erwartungsunsicherheit verfällt. Deshalb stellt gemeinsam in der Familie Regeln (im Bezug auf die Hundeerziehung) auf, die jeder gleich befolgt, so kennt sich auch dein Vierbeiner aus. 

Nun werden sich manche Leser vielleicht fragen, was man dann tun soll um dem Hund zu vermitteln, dass er auf dem Holzweg ist. Man kann zB ein Abbruchsignal oder Korrekturwort aufbauen. Also ein Wort, bei dem Hund weiß, dass er nicht richtig liegt oder eben das Verhalten nicht gewünscht ist. Das Wort “Nein” eignet sich meines Erachtens insofern nicht sonderlich dafür, weil wir es in unserem täglichen Sprachgebrauch mehr oder weniger häufig verwenden und es rutscht einem womöglich auch viel zu leicht und bissig über die Lippen.  Ich habe hierfür etwas gewählt, was ich so nie verwende und allein schon wie ich es sage, gibt nicht nur meinem Hund, sondern auch meinen Schülern rasch zu verstehen, dass ich etwas so nicht haben will. So bestimmt ich in solchen Situationen auch sein kann, genauso rasch switch’ ich um und lobe gewünschtes Verhalten.

Alles natürlich individuell an den Hund angepasst, schließlich ist nicht jeder gleich sensibel.. 

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Blogbeitrag von Ute Rott, Hundeschule Forsthaus Metzelthin

Das Frühjahr ist direkt in den Hochsommer übergegangen und auch wenn es jetzt endlich warm ist und die Sonne scheint, leiden wir doch alle unter der Hitze.

Für Hunde ist das noch deutlich extremer: sie schwitzen ausschließlich über die Zunge und hecheln bei Wärme sehr stark. Außerdem laufen sie das ganze Jahr mit Pelzmantel rum Sie brauchen deshalb immer Zugang zu Wasser, sollten, wenn sie das gerne möchten, auch die Möglichkeit haben, sich zwischendrin mal abzufrischen und sie müssen die Möglichkeit haben, Schattenplätze aufzusuchen. Viele Hunde liegen jetzt den ganzen Tag rum, am liebsten auf kühlen Fliesen.

Bitte lassen Sie Ihre Hunde untertags vollkommen in Ruhe, kurze Pipirunden, wenn man keinen Garten hat, sind in Ordnung, aber mehr sollte bei diesem Wetter nicht stattfinden. Spaziergänge unternimmt man am besten früh morgens und abends, wenn es wieder kühler ist. Dann reicht auch ein kurzer Spaziergang zur nächsten Badestelle. Kein Hund bricht vor Unterforderung zusammen, wenn er mal ein paar Tage weniger hat. Aber die Gefahr, dass Sie ihm mit körperlicher Überforderung bei Wärme schaden, ist sehr groß.

Vollkommen untersagt ist das Fahrradfahren. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich sowieso keine große Freundin davon bin, Hunde am Fahrrad „auszupowern“. Die Gefahr, dass ein Hund am Fahrrad überfordert wird, ist enorm und wird immer unterschätzt. Falls Sie in der Nähe einer schönen Badestelle wohnen, Ihr Hund bis dahin frei laufen kann, die Tour nicht länger dauert als allerhöchstens zehn Minuten, Ihr Hund fit und gesund ist und Sie nur frühmorgens oder abends bei gemäßigten Temperaturen mit ihm dort hin fahren, dann ist das in Ordnung. Ansonsten lassen Sie es bitte vollkommen bleiben, sobald die Temperatuern an 20° herangehen.

Mit Welpen, alten Hunden, trächtigen oder säugenden Hündinnen und kranken Hunden müssen Sie ganz besonders vorsichtig sein. Sie sind sowieso schon nicht so belastbar, bei ihnen muß man gut aufpassen, dass sie diese Zeit heil und gesund überstehen. Wenn Ihr Hund sehr dickes und langes Fell hat, sollten Sie sich überlegen, ob Sie ihn scheren oder scheren lassen. Man läßt dabei natürlich immer Fell stehen und schert den Hund nicht bis auf die Haut. In der Regel werden die Hunde, wenn der Wintermantel weg ist, sehr viel agiler und haben wieder Spaß am Leben.

Wenn Sie mit Ihrer Pelznase viel auf Asphalt laufen müssen, dann denken Sie bitte daran, dass er barfuß läuft. Legen Sie Ihre Hand für 5 Minuten auf den Asphalt, wenn Sie das gut aushalten – nicht gerade mal so – dann geht das in Ordnung.

Manche Hunde fressen bei Hitze weniger, das ist normal. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn er Hunger hat und wenn es kühler wird, wird er schon wieder fressen. Füttern Sie leicht verdauliche Sachen und machen Sie die Portionen ruhig etwas kleiner. Falls er nach dem Füttern noch Hunger hat, gibt es eben noch einen kleinen Nachschlag.

Ganz besonders müssen Sie aufpassen, wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind. Im Internet gibt es viele Tabellen, in denen aufgezeigt wird, wie schnell sich ein Auto aufheizt. Auch wenn es nicht direkt in der Sonne steht, sollten Sie Ihren Hund auch nicht „mal kurz“ im Sommer im Auto lassen. Wenn jemand Ihre Autoscheibe einschlägt, den Hund herausholt und die Polizei ruft, haben Sie leider Pech gehabt: der darf das. Und das ist auch gut so. Denn obwohl das eigentlich bekannt ist, sterben jedes Jahr wieder Hunde elend im Auto, weil ihre Besitzer „nur mal kurz“  den Hund im Auto lassen.

Auch in der Hundeschule sollte jetzt Entspannung und Abkühlung im Vordergrund stehen. Irgendwelche aufwendigen und komplizierten Trainings lässt man besser bleiben. Ihr Hund kann sich bei der Wärme genauso wenig konzentrieren wie Sie. Es gibt sicher interessante Themen, die Sie in der Gruppe oder im Einzeltraining mit der Trainerin besprechen können, während die Hunde im Schatten liegen oder sich im Wasser amüsieren – falls eins in der Nähe ist. Aber was spricht dagegen, die Gruppenstunde an einen See mit einsamer Badestelle zu verlegen.

Nehmen Sie also bitte alle Ratschläge, die Sie im Internet oder von erfahrenen Hundebesitzern oder von Ihrem Tierarzt oder von der Hundetrainerin bekommen, ernst und lassen Sie Ihren Bello tagsüber in Ruhe. Sie selber haben bei der Wärme sicher auch keine Lust auf große Anstrengungen.

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