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Von Anna Schremser, Hundeschule Dog to Me, www.dogtome.at

 

„Bello, nein! Nein! Nein! Neiiiin!“ So dröhnt es aus Nachbars Garten. Bello sieht aber nur die Wurst in Frauchens Hand und springt ständig hoch. Er stellt sich auf die Hinterbeinchen und tapst mit der rechten Vorderpfote auf Frauchens Knie. „Nein! Bello! Nein!“ keift diese immerfort. Bello versucht etwas anderes. Er fiebt und winselt. Das scheint nicht zu helfen. Also springt er abermals hoch um an die Wurst zu kommen. Doch Frauchen will nicht verstehen und schreit immer wieder nur „Nein! Bello, nein! Neiiiiin! So nicht!“

Bello wird immer ungeduldiger und hechelt aufgeregt. Die Zunge hängt weit aus seinem Maul, mit nicht minder weit aufgerissenen Augen die Wurst fixierend. Er bellt sein Frauchen an. Tänzelt vor ihr herum um irgendwie an die Wurst zu kommen. Er setzt sich hin und steht auch schon wieder auf um an Frauchen erneut hochzuspringen. Doch diese fuchtelt nur mit der Wurst in der Hand herum und keift wie ein Maschinengewehr das Wörtchen „Nein!“ in Bellos Richtung.

Nach wie vor strengt sich Bello an. Er ist ein kleiner Spitz-Mischling und so schnell gibt ein Spitz nicht auf! Zu verlockend ist der Duft der Wurst. Bello versteht die Welt nicht mehr und hechelt immer hastiger, springt höher und höher und wird dabei richtig hysterisch. Frauchen schubst ihn auf die Seite und kennt wohl nur ein Wort: NEIN!

Bello ist mit den Nerven am Ende und setzt sich erschöpft hin. Er beginnt sich zu kratzen und da… endlich! Die Wurst bewegt sich in seine Richtung. Hastig schnappt er danach und erwischt wohl dabei Frauchens Finger. Wie Frauchen darauf reagiert? Ja genau.. sie zischt ein „Nein, Bello!“ auf den armen kleinen Knirps.

Bello ist erledigt. Völlig erschöpft. Zugleich kann er jedoch nicht anders als das nächst beste herumliegende Stofftier zu schnappen um aufzureiten. Dann packt er es mit dem Maul und schüttelt es. Frauchen springt hin und will es ihm wegnehmen. Sie denkt wohl er will spielen und der Dialog geht eintönig weiter wie bisher.

Ich frage mich bei solchen Szenen, was der Hund dabei lernen soll? Was die Besitzer eigentlich damit bezwecken wollen und sie sich überhaupt denken? Was sollte Bello also tun? Das wurde ihm weder gesagt und schon gar nicht gezeigt. Hellseherische Kenntnisse werden anscheinend vorausgesetzt, anders kann ich es mir nicht erklären.

Bello ist damit keineswegs alleine. Das Wörtchen „Nein!“ ist aber auch zu verlockend! Fehlt nur noch, dass die Besitzer beginnen bis Drei zu zählen. Und sie dann erwarten, dass Hund bei Drei das tut, was sie verlangen. Und das soll Hund schließlich aus deren Gedanken lesen. Hunde können ja sowas. Noch viel schlimmer: Sie machen das nur, weil sie uns Menschen eins auswischen wollen. Weil sie’s uns zeigen wollen, mitunter ach so dominant sind (einen Lacher muss ich mir jetzt direkt verkneifen) und aus Protest das jetzt einfach nicht machen. Schluss mit Sarkasmus.

Wie kann mans nun besser machen?

In erster Linie muss dem Hundehalter überhaupt mal klar sein, welch’ ein Verhalten er denn gerne hätte und dieses gewünschte Verhalten sollte dann auf positive Weise bestärkt werden. Man nennt es „positive Verstärkung“, dh man fügt etwas Gutes hinzu, wie zB ein Leckerli oder Spielzeug. Was für den Hund eine tolle Belohnung ist, kann man leicht herausfinden. Jeder Hund präferiert etwas anderes: die einen fahren auf Futter ab, während die anderen ihrem Lieblingsquietschi den Vorzug geben. 

Jedenfalls muss das gewünschte Verhalten Hunden erst schrittweise gelernt und somit gezeigt werden. Woher sollte Bello wissen was Frauchen will? Sollte er sich hinsetzen oder hinlegen? Sollte er Laut geben oder einfach ruhig auf die Wurst warten um zB an der Impulskontrolle zu arbeiten? 

Achtet man dann auch noch auf eine klare Körpersprache, fällt es auch dem Hund leichter zu verstehen. Hunde achten nämlich viel mehr darauf, als aufs gesprochene Wort. 

Dem Hund Grenzen aufzuzeigen und Regeln vorzugeben ist wichtig, sofern man auch konsequent ist. Dies gibt Hunden wiederum Sicherheit und Klarheit. Denn wenn wir in unserem Handeln und unserer Erwartung dem Hund gegenüber inkonsequent sind und es jedes Mal anders machen, verwirren wir ihn nur unnötig, wodurch der Hund wiederum in Erwartungsunsicherheit verfällt. Deshalb stellt gemeinsam in der Familie Regeln (im Bezug auf die Hundeerziehung) auf, die jeder gleich befolgt, so kennt sich auch dein Vierbeiner aus. 

Nun werden sich manche Leser vielleicht fragen, was man dann tun soll um dem Hund zu vermitteln, dass er auf dem Holzweg ist. Man kann zB ein Abbruchsignal oder Korrekturwort aufbauen. Also ein Wort, bei dem Hund weiß, dass er nicht richtig liegt oder eben das Verhalten nicht gewünscht ist. Das Wort “Nein” eignet sich meines Erachtens insofern nicht sonderlich dafür, weil wir es in unserem täglichen Sprachgebrauch mehr oder weniger häufig verwenden und es rutscht einem womöglich auch viel zu leicht und bissig über die Lippen.  Ich habe hierfür etwas gewählt, was ich so nie verwende und allein schon wie ich es sage, gibt nicht nur meinem Hund, sondern auch meinen Schülern rasch zu verstehen, dass ich etwas so nicht haben will. So bestimmt ich in solchen Situationen auch sein kann, genauso rasch switch’ ich um und lobe gewünschtes Verhalten.

Alles natürlich individuell an den Hund angepasst, schließlich ist nicht jeder gleich sensibel.. 

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Bella

Von Britta Laupichler, Hundeschule Hund-aufs-Herz

JA-Sagen erwünscht

Hunde sind kommunikative Tiere, das ist bekannt. Damit meine ich nicht, dass sie den ganzen Tag bellen oder Laute von sich geben. Damit meine ich, dass sie sehr gut nonverbal kommunizieren, sowie sehr gut auf unsere Worte und Gesten reagieren können. In vielen Fällen lernen Hunde auch auf diese Art und Weise. Sie lernen von uns was wir von ihnen wollen und was uns missfällt, indem sie unsere Stimme hören und unsere Gesten und Mimik sehen.

Wir sollten diese enorme Kommunikations- und Lernfähigkeit der Hunde ernst nehmen und „nutzen“.

Wenn z. B. ein aufgeregter, junger Hund lernen soll, beim Anblick von Radfahrern ruhig zu bleiben, so bestätige ich sein ruhiges Verhalten (dieses zeigt er bis zu einer gewissen Distanz) mit lobenden Worten, Futterbelohnung, evtl. Streicheln (wenn das den Hund nicht zu sehr aufregt). So kann der Hund es schaffen, den für ihn schwierigen Reiz passieren zu lassen, ohne in die Leine zu preschen, zu bellen, sprich unerwünschtes Verhalten zu zeigen.

Wichtig sind hierbei die Distanz und das Timing. Ich muss den Hund loben und dadurch belohnen solange er ruhig ist und BEVOR er sich aufregt.

Hier geht es los mit dem Ja-Sagen. Bestätigen wir doch das erwünschte Verhalten des Hundes indem wir sagen “Ja, Bello, so ist es gut. Prima machst du das“. Dadurch festigen wir das Verhalten was wir uns in dem Moment wünschen. Der Hund erfährt, dass das, was er gerade tut, nämlich in diesem Beispiel sich ruhig verhalten, genau das Richtige ist. Durch unser Lob, Leckerle wird er genau in diesem Verhalten bestätigt und zudem fühlt er sich wohl durch unsere freundliche Ansprache, was wiederum dazu führt, dass er sich eher entspannen kann.

Das alles sind absolut positive Effekte, einfach nur indem wir „Ja“ sagen.

„Ja“ statt „Nein“.

Das „Nein…“ ist leider das, was ich häufig sehe. Das „Nein, hör auf, sei still, lass das“, meist in einer unfreundlichen Stimmlage, meist auch von Leinengerucke begleitet.

Was ist da passiert? Der Hund kommt in eine für ihn schwierige Situation, z.B. eine enge Begegnung mit einem fremden Hund (enge Begegnung können auch 8 Meter sein). Der Mensch steht schweigend mit seinem angespannten Hund an angezogener Leine und will den fremden Hund passieren lassen. Dann bellt sein Hund und springt in die Leine, und dann kommt „Nein, lass das, hör auf…“.

Hier ist „Ja“-Sagen absolut erwünscht. Nicht solange warten bis der Hund unerwünschtes Verhalten zeigt (womit wir ja meist eh schon rechnen, sprich: wir wissen meist, dass es passieren könnte oder sogar wird), sondern VORHER den Hund im richtigen, von uns erwünschten Verhalten bestätigen „Ja, prima Bello, ruhig gucken, so machst du es gut“.

Das ist nicht schwierig, man muss es nur tun!

Ja, ab und an muss der Mensch mit seinem Hund eine größere Distanz zu dem schwierigen Reiz herstellen, damit sein Hund ruhig bleiben kann, damit der Mensch seinen Hund belohnen kann!

Der Effekt dieses Verhaltens ist enorm: der Hund lernt das sein ruhiges Verhalten belohnt wird (d.h. er wird es in Zukunft häufiger zeigen), der Hund lernt, dass sein Mensch entspannter mit ihm unterwegs ist, der Hund lernt, dass sein Mensch ihn souveräner führt auch in scheinbar anstrengenden Situationen, der Hund lernt, dass er sich nicht aufregen muss, weil die Distanz zu dem schwierigen Reiz für ihn ok ist.

Alles positiv!

Also: JA-SAGEN ist unbedingt erwünscht!

 

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Blogbeitrag von Ute Rott, Hundeschule Forsthaus Metzelthin

Gute Frage, oder? Was ist Bindung?
Und die nächste gute Frage lautet: wie kriege ich das hin, dass mein Hund eine gute Bindung zu mir aufbaut?
Und: Machen Sie auch Bindungsarbeit?
Das sind so Fragen, die bekomme ich bei Erstgesprächen sehr oft zu hören.

Wenn wir diese Fragen jemandem stellen, der auf Dominanz und Hierarchie und Dinge wie „ich bin der Boss“ steht, dann sind die Antworten klar: wenn der Hund mich als seinen Lebensmittelpunkt betrachtet, wenn er nur auf mich achtet, wenn er prompt und zuverlässig gehorcht, dann hat er eine gute Bindung. So weit, so absurd. Sollte das stimmen, hätte in den vergangen 38 Jahren kein einziger meiner Hunde eine gute Bindung zu mir gehabt.

Wo bin eigentlich ich Mensch in diesen Fragen? Was ist mit meiner Bindung zu meinem Hund? Wie baue ich eine gute Bindung zu ihm auf? Welche Bindungsarbeit muß ich denn leisten? Und: warum stellen meine Kunden diese Fragen nie?

Weil Theorie gerade bei diesem Thema sehr verschwommen ist, möchte ich das mal mit einer Episode aus einem Erstgespräch erklären, was es mit „Bindung“ auf sich hat. Eine Freundin von mir bat mich, mit ihrer Tochter, dem Schwiegersohn und dem neuen Hund ein Beratungsgespräch zu führen. Es ist der erste Hund der beiden, ein ca. 2 Jahre alter Labradorrüde, Scheidungswaise. Wir verbrachten fast zwei Stunden zusammen bei einem sehr positiven Gespräch. Sie fragten viel, ich antwortete so gründlich und ausführlich wie nur möglich. Die ganze Zeit hatte ich den Eindruck: hier ist mal der richtige Hund bei den richtigen Menschen gelandet. Klar gibt es noch das eine oder andere, das sich noch richten muß, aber das wird schon klappen.

Bindung spielte natürlich auch eine Rolle. Mir fiel auf, dass ein Unbeteiligter vermutlich nie auf die Idee gekommen wäre, dass der Hund erst seit ein paar Wochen bei den beiden war. Er ließ sich ganz unkompliziert abrufen, war immer in der Nähe, war sehr aufmerksam ohne gestresst zu wirken, alles in allem eine sehr erfreuliche, runde Sache. Und jetzt kommts: Bindung – wie baue ich die auf?

Die Tochter erzählte mir mit strahlenden Augen von ihrem Morgenspaziergang. Meine Freundin wohnt in einem kleinen uckermärkischen Dorf am Ortsrand und von ihrem Haus kann man wunderbare Spaziergänge über die zur Zeit kahlen Felder unternehmen. Die Wege und Felder sind durchsetzt mit großen und tiefen Pfützen – ein Paradies für Labradore.  Das beste an diesem Morgenspaziergang waren natürlich diese Pfützen, in die der Süße sich mit wahrer Wonne hineinstürzte, durch die er tobte und darin plantschte. Und sein Frauchen – eine stinknormale Berliner Rechtsanwältin ohne jede Hundeerfahrung – stand am Rand, wurde von Kopf bis Fuß mit Dreck bespritzt und freute sich ein Loch in den Bauch. Die helle Begeisterung stand ihr immer noch ins Gesicht geschrieben.

Ich sehe schon die Fragezeichen über manchen Köpfen: was hat denn das mit Bindung zu tun?

Eine ganze Menge würde ich sagen. Da ist ein Hund abgegeben worden und mit großer Sorgfalt, weil man ihn ja liebt und nicht gerne hergibt, sucht man ihm einen guten Platz und findet ihn auch. Für den Hund ist das trotzdem eine schwere traumatische Erfahrung, und zwar um so mehr, wenn er sich vorher wirklich geliebt gefühlt hat. Unser kleiner Freund wurde mit offenen Armen und warmen Herzen empfangen. Die beiden beobachten ihn ganz genau, was er möchte, wie man es ihm ermöglicht, wann und wo er sich wohlfühlt….. sie tun alles, um ihm das neue Zuhause und seine neuen Menschen so angenehm wie nur gerade möglich zu machen. SIE fühlen sich verantwortlich dafür, dass er sich wohlfühlt, sie erwarten NICHT, dass er sich sofort zu 100% anpasst. Und dazu gehört, dass man sich mit seinem Freund freut, wenn er sich freut. Auch wenn man voller Dreck und Speck vom Spaziergang zurückkommt.

Das, liebe HundefreundInnen, das hat sehr viel mit Bindung zu tun. Mit dem bedingungslosen Annehmen eines Hundes, der sein Zuhause verloren hat, der neue Orientierung, viel Liebe und Verständnis braucht – und das bekommt er auch. Und dafür sind WIR zuständig, wir Menschen.

Mir geht das Herz auf, wenn ich solche Dinge erlebe. Wenn ich sehe, dass Menschen nicht einfach mit Begriffen um sich werfen, wenn  sie alles ihnen Mögliche tun, um einem Hund das Ankommen zu erleichtern, wenn sie mit ihm leben und an seinem Leben teilhaben, aktiv und mit Freude. Und dann muß man sich keine Gedanken mehr über Bindung und die schwere Arbeit zu einer guten Bindung zu machen. Dann hat man den Samen in gute und nahrhafte Erde gelegt und es kann eine schöne Pflanze daraus werden.

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Blogbeitrag von Ute Rott, Hundeschule Forsthaus Metzelthin

Das Frühjahr ist direkt in den Hochsommer übergegangen und auch wenn es jetzt endlich warm ist und die Sonne scheint, leiden wir doch alle unter der Hitze.

Für Hunde ist das noch deutlich extremer: sie schwitzen ausschließlich über die Zunge und hecheln bei Wärme sehr stark. Außerdem laufen sie das ganze Jahr mit Pelzmantel rum Sie brauchen deshalb immer Zugang zu Wasser, sollten, wenn sie das gerne möchten, auch die Möglichkeit haben, sich zwischendrin mal abzufrischen und sie müssen die Möglichkeit haben, Schattenplätze aufzusuchen. Viele Hunde liegen jetzt den ganzen Tag rum, am liebsten auf kühlen Fliesen.

Bitte lassen Sie Ihre Hunde untertags vollkommen in Ruhe, kurze Pipirunden, wenn man keinen Garten hat, sind in Ordnung, aber mehr sollte bei diesem Wetter nicht stattfinden. Spaziergänge unternimmt man am besten früh morgens und abends, wenn es wieder kühler ist. Dann reicht auch ein kurzer Spaziergang zur nächsten Badestelle. Kein Hund bricht vor Unterforderung zusammen, wenn er mal ein paar Tage weniger hat. Aber die Gefahr, dass Sie ihm mit körperlicher Überforderung bei Wärme schaden, ist sehr groß.

Vollkommen untersagt ist das Fahrradfahren. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich sowieso keine große Freundin davon bin, Hunde am Fahrrad „auszupowern“. Die Gefahr, dass ein Hund am Fahrrad überfordert wird, ist enorm und wird immer unterschätzt. Falls Sie in der Nähe einer schönen Badestelle wohnen, Ihr Hund bis dahin frei laufen kann, die Tour nicht länger dauert als allerhöchstens zehn Minuten, Ihr Hund fit und gesund ist und Sie nur frühmorgens oder abends bei gemäßigten Temperaturen mit ihm dort hin fahren, dann ist das in Ordnung. Ansonsten lassen Sie es bitte vollkommen bleiben, sobald die Temperatuern an 20° herangehen.

Mit Welpen, alten Hunden, trächtigen oder säugenden Hündinnen und kranken Hunden müssen Sie ganz besonders vorsichtig sein. Sie sind sowieso schon nicht so belastbar, bei ihnen muß man gut aufpassen, dass sie diese Zeit heil und gesund überstehen. Wenn Ihr Hund sehr dickes und langes Fell hat, sollten Sie sich überlegen, ob Sie ihn scheren oder scheren lassen. Man läßt dabei natürlich immer Fell stehen und schert den Hund nicht bis auf die Haut. In der Regel werden die Hunde, wenn der Wintermantel weg ist, sehr viel agiler und haben wieder Spaß am Leben.

Wenn Sie mit Ihrer Pelznase viel auf Asphalt laufen müssen, dann denken Sie bitte daran, dass er barfuß läuft. Legen Sie Ihre Hand für 5 Minuten auf den Asphalt, wenn Sie das gut aushalten – nicht gerade mal so – dann geht das in Ordnung.

Manche Hunde fressen bei Hitze weniger, das ist normal. Machen Sie sich keine Sorgen, wenn er Hunger hat und wenn es kühler wird, wird er schon wieder fressen. Füttern Sie leicht verdauliche Sachen und machen Sie die Portionen ruhig etwas kleiner. Falls er nach dem Füttern noch Hunger hat, gibt es eben noch einen kleinen Nachschlag.

Ganz besonders müssen Sie aufpassen, wenn Sie mit dem Auto unterwegs sind. Im Internet gibt es viele Tabellen, in denen aufgezeigt wird, wie schnell sich ein Auto aufheizt. Auch wenn es nicht direkt in der Sonne steht, sollten Sie Ihren Hund auch nicht „mal kurz“ im Sommer im Auto lassen. Wenn jemand Ihre Autoscheibe einschlägt, den Hund herausholt und die Polizei ruft, haben Sie leider Pech gehabt: der darf das. Und das ist auch gut so. Denn obwohl das eigentlich bekannt ist, sterben jedes Jahr wieder Hunde elend im Auto, weil ihre Besitzer „nur mal kurz“  den Hund im Auto lassen.

Auch in der Hundeschule sollte jetzt Entspannung und Abkühlung im Vordergrund stehen. Irgendwelche aufwendigen und komplizierten Trainings lässt man besser bleiben. Ihr Hund kann sich bei der Wärme genauso wenig konzentrieren wie Sie. Es gibt sicher interessante Themen, die Sie in der Gruppe oder im Einzeltraining mit der Trainerin besprechen können, während die Hunde im Schatten liegen oder sich im Wasser amüsieren – falls eins in der Nähe ist. Aber was spricht dagegen, die Gruppenstunde an einen See mit einsamer Badestelle zu verlegen.

Nehmen Sie also bitte alle Ratschläge, die Sie im Internet oder von erfahrenen Hundebesitzern oder von Ihrem Tierarzt oder von der Hundetrainerin bekommen, ernst und lassen Sie Ihren Bello tagsüber in Ruhe. Sie selber haben bei der Wärme sicher auch keine Lust auf große Anstrengungen.

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Gefahren durch die Kastration per Mikrochip
von Dr. Michael Lehner und Clarissa v. Reinhardt


Im Jahr 2007 kam ein Mikrochip auf den Markt, der Hunderüden hormonell auf den Level eines kastrierten Hundes stellt. Der Vorteil soll sein, dass dieser Zustand reversibel und der Hund (je nach Wirkdauer des Chips) nach ca. sechs bis zwölf Monaten wieder ganz der alte ist.
Seitdem hat der sog. „Kastrationschip“ einen wahren Siegeszug in den Tierarztpraxen eingehalten und wird beinahe wahllos bei jedem Rüden eingesetzt, dessen Halter das wünscht, was allerdings längst nicht so ungefährlich ist, wie in der Regel vermutet. Eine eingehende Beratung durch die Tierärzte, die dem Halter einen klaren Überblick über die Risiken gibt, bleibt in der Regel aus. Ein Blick auf den Beipackzettel der Herstellerfirma beschreibt aber recht genau, wo die Probleme liegen.
Bevor dieser näher erläutert wird, hier eine kurze Zusammenfassung zur besseren Übersicht:
1. Der Chip wird ausdrücklich nur zur vorübergehenden Unfruchtbarmachung gesunder, geschlechtsreifer und nicht kastrierter Rüden empfohlen!
2. Vor einer Verabreichung an aggressiven oder sonst verhaltensauffälligen Hunden wird vom Hersteller ausdrücklich gewarnt!
3. Der Hersteller gibt an, dass der Wirkstoff in seiner Verabreichungsform bei jedem Hund gleich hoch sein kann. Es bleibt also ernsthaft zu hinterfragen, ob ein Mini-Yorkshire-Terrier tatsächlich die gleiche Dosis erhalten sollte wie ein 90 kg schwerer Bergkaukase?! Das empfiehlt nämlich tatsächlich die Herstellerfirma.
4. Die potentiellen Folgewirkungen einer Langzeitbehandlung auf die Prostata, das Fell und die Muskelmasse wurden nicht gezielt untersucht. In den klinischen Untersuchungen wurde das Verhalten der Rüden nicht beurteilt. ... Unmittelbar nach Implantation kann es lt. Hersteller zu einem kurzen vorübergehenden Anstieg des Plasmatestosteronspiegels kommen. Untersuchungen zur klinischen Relevanz dieses Testosteronpeaks liegen nicht vor! Bedingt durch den Wirkmechanismus kann eine vorübergehende Zunahme der testosteronabhängigen Einflüsse nicht ausgeschlossen werden.
5. Da der Chip als Darreichungsform im Arzneimittelgesetz nicht vorgesehen ist, unterliegt er diesem auch nicht!!! Das bedeutet im Klartext, dass nicht die gleichen Zulassungsverfahren durchlaufen werden müssen wie bei Tabletten, Zäpfchen oder anderen Darreichungsformen!
6. Der Hersteller gibt an, dass Langzeitdaten fehlen, die belegen, dass die klinische Wirkung (verringerte Hodengröße, verringertes Ejakulatvolumen, verminderte Spermienzahl und herabgesetzte Libido einschließlich Fertilität) nach zwölf Monaten oder wiederholter Implantation vollständig reversibel ist. Bei kleinen Hunden ist eine Wirkdauer bis zu 48 Monaten und länger berichtet worden. Ebenso ist nicht bekannt, was genau im Körper passiert, wenn man durch Mehrfachsetzung des Chips die Wirkung aufdoppelt. Vor der Verwendung des Implantats bei Hunden mit einem Körpergewicht unter 10 kg oder über 40 kg sollte vom Tierarzt lt.
Hersteller eine Nutzen-/Risikobeurteilung durchgeführt werden, da dazu begrenzt Daten vorliegen.
7. Schon wenige Wochen nach der Implantation hilft auch eine chirurgische Entfernung des Kastrationschips nichts, da die Hypophysen-Gonaden-Achse bereits reagiert hat! Kommt es also zu unerwünschten Veränderungen im Verhalten (siehe weiter unten), muss man mit dem Rüden leben, so wie er ist.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass die meisten Hundehalter nach einer eingehenden Beratung durch ihren Tierarzt anhand des Beipackzettels von einer Setzung des Chips absehen! Und das ist angesichts der vielen ungeklärten Fragen und Risiken auch gut so, denn als Kastration „auf Probe“ ist der Chip eher ungeeignet! Sollte eine solche gewünscht sein, dann ist eher zum Mittel Tardastrex zu raten, das ein bis drei Tage nach Injektion ohne Erstverschlechterung wirkt, maximal sechs Wochen anhält und weitestgehend nebenwirkungsfrei ist.

Bitte lesen Sie im Detail, welche Gefahren/Probleme der Mikrochip zur Kastration beinhaltet bzw. welche ungeklärten Fragen er aufwirft:

Der Wirkstoff Deslorelin
Eigenschaften/Wirkungen laut Hersteller und Info Tierarzneimittel Kompendium der Schweiz: „Der GnRH-Agonist Deslorelin, kontinuierlich in niedriger Dosis verabreicht, wirkt durch Suppression der Funktion der Hypophysen-Gonaden-Achse. Diese Suppression führt bei den behandelten Tieren dazu, dass das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH), die für die Aufrechterhaltung der Fruchtbarkeit verantwortlich sind, weder gebildet noch ausgeschüttet werden. Vier bis sechs Wochen nach Implantation senkt die kontinuierliche Abgabe einer niedrigen Dosis Deslorelin den Plasmatestosteronspiegel
und die Funktion der männlichen Fortpflanzungsorgane, die Libido sowie die Spermatogenese werden herabgesetzt. Während der Behandlungsdauer verringert sich die Hodengröße. Die potentiellen Folgewirkungen einer Langzeitbehandlung auf die Prostata, das Fell und die Muskelmasse wurden nicht gezielt untersucht! In den klinischen Untersuchungen wurde das Verhalten der Rüden nicht beurteilt. Bedingt durch den Wirkmechanismus kann jedoch ein Einfluss auf das
geschlechtshormonabhängige Verhalten vermutet werden. Unmittelbar nach Implantation kann es zu einem kurzen vorübergehenden Anstieg des Plasmatestosteronspiegels kommen. Untersuchungen zur klinischen Relevanz dieses Testosteronpeaks liegen keine vor. Bedingt durch den Wirkmechanismus kann eine vorübergehende Zunahme der testosteronabhängigen Einflüsse nicht ausgeschlossen werden.“

Genau das wird von Haltern immer wieder berichtet, nämlich dass der Rüde nach Setzen des Chips noch schwieriger im Verhalten wurde, als er sowieso schon war. Aggressionsprobleme steigern sich, statt zu verschwinden, evtl. so sehr, dass der Hund kaum noch zu halten ist. Eine chirurgische Entfernung des Chips in solchen Fällen ist nicht nur teuer, sondern nach kurzer Zeit schon sinnlos, weil die Hypophysen-Gonaden-Achse bereits reagiert hat!

Was genau ist eigentlich drin im Chip?!
Zusammensetzung: Deslorelinum 4.7 oder 9,4 mg ut deslorelini acetas, Palmae oleum hydrogenatum, Lecithinum, Natrii acetas anhydricus, ad praeparationem pro 50 mg, mit Implantationsaufsatz und wiederverwendbarem Applikator!

Die Darreichungsform als Chip ist so eine Art Lücke im Arzneimittelgesetz der EU und der deutschsprachigen Länder und somit nicht gleichermaßen zulassungspflichtig wie normale Arzneimittel (Tabletten, Injektionen, Salben etc.) – das hatte man irgendwie nicht vorgesehen und bis jetzt auch noch nicht korrigiert.
Deslorin ist ein GnRH-Agonist und somit ein Stoff, der so wirkt wie ein gonadotrophes Releasing-Hormon – auf Deutsch: ein Hormon aus der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse), das die Ausschüttung von Hormonen aus den Ovarien (Eierstöcken) oder Testes (Hoden) stimuliert. Diese Hormone, das follikelstimulierende Hormon (FSH) und das luteinisierende Hormon (LH), die für die Aufrechterhaltung der Fruchtbarkeit verantwortlich sind, bewirken beim Rüden, dass wiederum Testosteron hauptsächlich in den Leydigschen Zwischenzellen im Hoden, aber auch in geringen Mengen in der Nebennierenrinde ausgeschüttet wird.

Der Kastrationschip, der kontinuierlich Deslorin in niedrigen Dosierungen in den Körper abgibt, wirkt damit zunächst wie eine dauerhafte Testosteronüberdosierung!
Erst vier bis sechs Wochen nach der Chip-Implantation senkt die kontinuierliche Abgabe einer niedrigen Dosis Deslorin den Plasmatestosteronspiegel, da der Rückkopplungskontrollmechanismus der Hypophysen-Gonaden-Achse dann langsam auf das Zuviel an Testosteron reagiert und dies runter regelt. Diese anfängliche Überdosierung ist auch der Grund dafür, dass sich das Verhalten der Rüden anfangs noch verschlimmert, statt verbessert!

Was sagt der Hersteller noch über den Chip?!
„Die potentiellen Folgewirkungen einer Langzeitbehandlung auf die Prostata, das Fell und die Muskelmasse wurden nicht gezielt untersucht. In den klinischen Untersuchungen wurde das Verhalten der Rüden nicht beurteilt. Bedingt durch den Wirkmechanismus kann jedoch ein Einfluss auf das geschlechtshormonabhängige Verhalten vermutet werden. Unmittelbar nach Implantation kann es zu einem kurzen vorübergehenden Anstieg des Plasmatestosteronspiegels kommen. Untersuchungen zur klinischen Relevanz dieses Testosteronpeaks liegen keine vor. Bedingt durch den Wirkmechanismus kann eine vorübergehende Zunahme der testosteronabhängigen Einflüsse nicht ausgeschlossen werden. Messungen der Plasmatestosteronspiegel haben die
anhaltende pharmakologische Wirkung einer kontinuierlichen Abgabe von Deslorelin in den Blutkreislauf während mindestens sechs Monaten bei den Implantaten mit 4,7 mg und mindestens zwölf Monaten bei den Implantaten mit 9,4 mg nach Implantation bestätigt.“

Was sonst noch so passieren kann, scheint nicht recht untersucht zu sein. Würden Sie das bei einem normalen Medikament akzeptieren?! Wohl eher nicht! Da aber keine volle Zulassungspflicht besteht, muss der Hersteller auch nicht mehr Informationen liefern. Als anwendender Tierarzt, aber auch als Tierhalter wüsste man aber schon gerne mehr!


Weiter schreibt der Hersteller:
„Pharmakokinetik: Es wurde gezeigt, dass bei Hunden die maximale Plasmakonzentration 7 - 35 Tage nach Einsetzen eines Implantates von 5 mg Deslorelin erreicht wird. Der Wirkstoff kann bis ca. 2,5 Monate nach der Implantation direkt im Plasma nachgewiesen werden. Deslorelin wird rasch metabolisiert.“

„Indikationen: Zur Erzielung einer vorübergehenden Unfruchtbarkeit bei gesunden, nicht kastrierten, geschlechtsreifen Rüden.“

Würde man sich an diese Indikation halten, wäre Folgendes klar: Jeder Hund müsste einer gründlichen medizinischen Untersuchung unterzogen werden, um sicher zu gehen, dass er tatsächlich gesund ist zum Zeitpunkt der Verabreichung. Dies geschieht aber in der Regel nicht. Außerdem ist der Chip ausdrücklich (!) nur zur Unfruchtbarmachung gedacht, nicht zur Korrektur von unerwünschten Verhaltensweisen oder Verhaltensauffälligkeiten wie Aggression, unerwünschtem Streunern usw.! Genau dies ist aber meist Wunsch der Halter.

„Dosierung/Anwendung: Subkutane Applikation. Die empfohlene Dosierung beträgt ein Implantat pro Hund, unabhängig von der Größe des Hundes.“

Nun sei die Frage erlaubt, ob es wirklich der Ernst der Herstellerfirma ist, dass ein Mini-Yorkshire-Terrier mit 1 kg Körpergewicht ebensoviel Wirkstoff verabreicht bekommen soll wie ein 90 kg schwerer Bergkaukase?!

„Um die Wirkung aufrechtzuerhalten, muss alle 6 Monate (Suprelorin 4,7 mg) bzw. alle 12 Monate (Suprelorin 9,4 mg) ein neues Implantat eingesetzt werden.“


O.k., das wird auf Dauer sicher nicht billiger als eine echte Kastration, aber die entscheidende Frage ist: Wie lange wirkt der Chip eigentlich wirklich? Ist das wissenschaftlich untersucht? Nein, leider nicht! Es wurde vor allem bei kleinen Hunden von Wirkdauern bis zu 48 Monaten und länger berichtet! Und was passiert, wenn man da quasi noch mal aufdoppelt, weiß auch niemand!

Anwendungseinschränkungen, Kontraindikationen:
„Keine bekannt.“, sagt der Hersteller. Um gleich an anderer Stelle des Beipackzettels folgende Vorsichtsmaßnahmen zu empfehlen: „Die Anwendung des Implantats bei noch nicht geschlechtsreifen Hunden wurde nicht untersucht. Daher wird empfohlen, vor dem Einleiten einer Behandlung das Eintreten der Geschlechtsreife abzuwarten.“
Eine Unfruchtbarkeit wird im Zeitraum von 6 Wochen bis mindestens 6 Monaten nach Erstbehandlung erreicht. Behandelte Hunde sollen deshalb in den ersten 6 Wochen nach Erstbehandlung von läufigen Hündinnen ferngehalten werden.
Bei einem der 75 Rüden, die im Rahmen von klinischen Studien mit Suprelorin 4,7 mg behandelt wurden, kam es innerhalb von sechs Monaten nach der Implantation zur Paarung und Kopulation mit einer läufigen Hündin, was jedoch nicht zur Trächtigkeit der Hündin führte. Sollte sich ein behandelter Rüde zwischen sechs Wochen und sechs Monaten nach der Behandlung mit einer Hündin paaren, sind angemessene Maßnahmen zu ergreifen, um ein Trächtigkeitsrisiko bei der Hündin auszuschließen.
In seltenen Fällen (4,7 mg: > 0,01 % bis < 0,1 %, 9,4 mg: (> 0,1 % bis < 1 %) wurde Verdacht auf mangelnde Wirksamkeit gemeldet (in der Mehrzahl der Fälle wurde über ungenügende Verringerung der Hodengröße berichtet und/oder eine Hündin gedeckt). Mangelnde Wirksamkeit kann nur durch Bestimmung der Testosteronwerte (Surrogat-Marker für die Fruchtbarkeit) nachgewiesen werden. Bei Verdacht auf mangelnde Wirksamkeit sollte das Implantat des Hundes überprüft werden (z. B. Vorhandensein).
Jede Paarung, die später als sechs (Suprelorin 4,7 mg) bzw. zwölf (Suprelorin 9,4 mg) Monate nach der Implantation erfolgt, kann zu einer Trächtigkeit führen. Es ist jedoch nach dem anfänglichen Zeitraum von 6 (Suprelorin 4,7 mg) bzw. 8 (Suprelorin 9,4 mg) Wochen nicht notwendig, läufige Hündinnen von kontinuierlich behandelten Rüden fernzuhalten, sofern das Implantat alle 6 (Suprelorin 4,7 mg) bzw. 12 (Suprelorin 9,4 mg) Monate erneuert wird.
In bestimmten Fällen kann das Implantat bei einem behandelten Hund verloren gehen. Für den Verlust eines erstmalig gesetzten Implantats spricht, dass der Hodenumfang oder der Plasma-Testosteronspiegel innerhalb von 6 (Suprelorin 4,7 mg) bzw. 8 (Suprelorin 9,4 mg) Wochen nach der Implantation nicht sinkt; beides sollte nach korrekter Implantation abnehmen. Falls ein Implantat nach Re-Implantation verloren geht, kann eine kontinuierliche Zunahme des Hodenumfangs und/oder des Testosteronspiegels beobachtet werden. In beiden Situationen sollte ein Implantat nachgesetzt werden.
Es wurde nicht untersucht, wie sich die Zeugungsfähigkeit von Rüden nach der Applikation von Suprelorin verhält, nachdem sich der Plasmatestosteronspiegel
wieder normalisiert hat. Hinsichtlich des Plasmatestosteronspiegels, der einen anerkannten Marker zum indirekten Nachweis der Fruchtbarkeit darstellt, zeigte sich bei Suprelorin 4,7 mg innerhalb von 12 Monaten nach Implantation bei mehr als 80 % der Hunde bzw. bei Suprelorin 9,4 mg innerhalb von 2 Jahren nach
Implantation bei 68 % der Hunde, die ein oder mehrere Implantate erhalten hatten, eine Normalisierung der Werte (≥ 0,4 ng/ml). Innerhalb von 18 Monaten nach Implantation normalisierten sich die Plasmatestosteronspiegel bei 98 % der Hunde bei Suprelorin 4,7 mg. In sehr seltenen Fällen (< 0,01 %) kann die temporäre Infertilität über 18 Monate dauern. Bei Suprelorin 9,4 mg normalisierten sich die Plasmatestosteronspiegel bei 95 % der Hunde innerhalb von 2,5 Jahren. Es fehlen
Langzeitdaten, die belegen, dass die klinische Wirkung (verringerte Hodengröße, verringertes Ejakulatvolumen, verminderte Spermienzahl und herabgesetzte Libido einschließlich Fertilität) nach zwölf Monaten oder wiederholter Implantation vollständig reversibel ist.“

Wissen das wirklich alle Rüdenhalter vorher; vor allem auch Züchter?!

„Vor der Verwendung des Implantats bei Hunden mit einem Körpergewicht unter 10 kg oder über 40 kg sollte vom Tierarzt eine Nutzen-/Risikobeurteilung durchgeführt werden, da dazu begrenzt Daten vorliegen. Bei den klinischen Versuchen mit Suprelorin 4,7 mg war die durchschnittliche Dauer der  testosteronsuppression bei kleineren Hunden (< 10 kg) verglichen mit der größerer Hunde 1,5 mal länger.“

„Die chirurgische oder medikamentöse Kastration kann unerwartete Folgen für das Aggressionsverhalten (Besserung oder Verschlechterung) haben. Hunde mit soziopathischen Störungen und mit Episoden intraspezifischer (Hund zu Hund) und/oder interspezifischer (Hund zu anderer Spezies) Aggression sollten daher weder chirurgisch noch mittels Implantat kastriert werden.“

Und bei genau denen wird der Chip oft gesetzt!!!


Folgende Nebenwirkungen beschreibt der Hersteller: „Während 14 Tagen nach Implantation kann an der Implantationsstelle eine mittelgradige Schwellung beobachtet werden. Histologische Untersuchungen 3 Monate nach der Implantation haben leichte lokale Reaktionen mit chronischer Bindegewebsentzündung und einer gewissen Verkapselung sowie Kollagenablagerungen ergeben. In sehr seltenen Fällen (< 0,01 %) kam es unmittelbar nach Implantation zu einem vorübergehenden gesteigerten sexuellen Interesse, einer Größen-zunahme des Hodens und Hodenschmerzen. Diese Reaktionen gingen ohne Behandlung
zurück.
Während des Behandlungszeitraums wurden klinische Effekte selten (> 0,01 % bis < 0,1 %) berichtet: Haarkleidstörungen (z. B. Haarausfall, Alopezie, Haarveränderungen), Harninkontinenz, Reaktionen im Zusammenhang mit der Downregulation (z. B. Abnahme der Hodengröße, reduzierte Aktivität). In sehr seltenen Fällen kann der Hoden in den Inguinalring aufsteigen.

In sehr seltenen Fällen (< 0,01 %) wurde über vorübergehende Verhaltensänderungen mit Aggression (siehe "Vorsichtsmaßnahmen") berichtet.“

Haben wir nicht vom gleichen Autor/Hersteller gehört, es gäbe keine Anwendungsbeschränkungen oder Kontraindikationen?!

Weitere Vorsichtsmaßnahmen für den Anwender: „Das Implantat sollte nicht durch schwangere Frauen verabreicht werden. Andere GnRHAnaloga haben sich bei Versuchstieren als fetotoxisch erwiesen. Spezifische Studien zur Beurteilung der Wirkung von Deslorelin auf die Schwangerschaft wurden keine durchgeführt.

Ein Hautkontakt mit dem Tierarzneimittel ist zwar unwahrscheinlich, aber wenn es dazu kommt, sollte der exponierte Bereich sofort gewaschen werden, da GnRH-Analoga über die Haut aufgenommen werden können! Um eine versehentliche Selbstinjektion während der Applikation zu vermeiden, ist für eine angemessene Fixierung des Tieres zu sorgen und die Kanüle sollte bis zum Zeitpunkt der Implantation mit der Schutzkappe versehen bleiben. Im Fall einer versehentlichen Selbstinjektion sofort einen Arzt konsultieren und das Implantat entfernen lassen. Dem Arzt die Packungsbeilage oder das Etikett vorweisen. Während 14 Tagen nach Implantation kann an der Implantationsstelle eine mittelgradige Schwellung beobachtet werden. Histologische Untersuchungen drei
Monate nach der Implantation haben leichte lokale Reaktionen mit chronischer Bindegewebsentzündung und einer gewissen Verkapselung sowie Kollagenablagerungen ergeben.“

Abschließende Gedanken
Nach Durchsicht des Beipackzettels der Herstellerfirma sollte gründlich überlegt werden, ob man seinem Hund den sog. Kastrationschip wirklich setzen lassen will – oder lieber nicht. Ohne Zweifel hat es schon viele Hunde gegeben, bei denen er ohne nennenswerte Nebenwirkungen und auf gewünschte Weise funktioniert
hat, aber sicher gab es auch Fälle, bei denen anschließende Verhaltensprobleme auf Grund mangelnden Fachwissens nicht mit dem Chip in Verbindung gebracht wurden.
Und unbestritten gab es schon viele Fälle, bei denen diese Verhaltensprobleme zu gravierenden Belastungen der Mensch-Hund-Beziehung geführt haben.

Dr. Michael Lehner             Clarissa v. Reinhardt
Tierklinik Teisendorf            animal learn

 

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