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 Das Problem

Momentan habe ich einige Hunde im Training, die – aus den verschiedensten Gründen – andere Hunde nicht gut finden. Und dies auch lauthals kund tun. Einer davon würde auch zubeißen, käme ihm ein anderer Hund zu nah.

Mit diesen Hunden kommen meine Kunden regelmäßig ins Training, manchmal machen wir schnelle Fortschritte, mal dauert es eben ein bisschen länger. Selbst der Hund, der beißen würde, hat es neulich geschafft sich bis auf einen halben Meter einem anderen Hund zu nähern, ohne auch nur ansatzweise Aggression zu zeigen. Ein toller Erfolg.

 

Die Gründe, warum diese Hunde so reagieren, sind verschieden.

Die Gründe warum wir im Training immer wieder nach hinten geworfen werden sind fast immer die Gleichen. Oder eher: der gleiche Grund.

Und diesen Grund könnte man als „Meiner tut nix“ Grund bezeichnen.

Denn egal wie achtsam meine Kunden mit ihren Hunden umgehen, diese „Meiner tut nix“ Aussage der anderen Hundehalter sind einfach mehr als suboptimal. Sie verstehen nicht, dass ihr Hund eben schon etwas „tut“ – nämlich den unsrigen zu einer Reaktion zwingen, die nicht immer positiv ist.
Die Begegnungen laufen meist ähnlich ab, als Beispiel soll eine von vielen Selbsterlebten Situationen dienen:

Ich war mit Amigo unterwegs, der fremde Hunde eher mäßig gut findet:

Amigo läuft entspannt an seiner 10 Meter Leine, wir sind in übersichtlichem Gebiet unterwegs, in dem wir notfalls auch weit ausweichen können.
Uns kommen Menschen mit Hund entgegen, ich spreche Amigo freundlich an und weiche weit (200 Meter) aus und nehme die Leine kürzer, so dass er nur noch 2 Meter zur Verfügung hat. Die Leute die mir entgegen kommen haben gesehen das ich ausweiche. Leider hindert es sie nicht daran, ihren Hund zu meinem rennen zu lassen.
Ich rufe freundlich „würden Sie bitte Ihren Hund abrufen?“. Leider keine Reaktion, der andere Hund kommt immer näher, ist aber noch in der Distanz die Amigo gut schafft. Ich lobe also meinen Hund, und rufe den Leuten zu „Das wird NICHT gut gehen. Bitte rufen Sie Ihren Hund ab“. Nachdem Amigo jetzt schon langsam deutlich zeigt, dass er andere Hunde nicht mag, merken die anderen Hundehalter auch, das es wohl besser ist ihren Hund zu rufen. Der hört auch prima, was ehrlich gesagt eher die Ausnahme ist bei den Begegnungen die ich sonst habe, und die Halter brüllen mich an „Dann müssen Sie aber auch was tun!!!“

Ähm, okay. 200 Meter ausgewichen. Hund an kurzer Leine. Früh genug freundlich gebeten, das deren Hund abgerufen wird. Was genau soll ich noch tun? In Luft auflösen geht leider nicht, das haben wir noch nicht trainiert.

Und mit dieser Begegnung hatte ich noch Glück. Normalerweise, und im Falle viele meiner Kunden, rennen andere Hunde einfach zum eigenen Hund hin. Der im besten Fall „nur“ bellend in der Leine hängt, im schlechtesten Fall beisst. In jedem Fall wird dadurch das Training um Wochen nach hinten geworfen.

Denn im Training haben wir Distanzen gewart. So dass der jeweilige Hund ruhig bleiben kann, und andere Hunde als positiv einordnet. Nach solch einer Erfahrung fangen wir wieder mit deutlich größeren Distanzen an, bis der Hund wieder mehr Vertrauen gefasst hat.

Die Gründe

Was können Gründe dafür sein, dass ein Hund andere Hunde anbellt, anknurrt oder sogar beißen möchte?

Manche Hunde haben einfach schlechte Erfahrungen mit anderen Hunden gemacht. Bei einigen Hunden reicht schon eine Rauferei oder Beißvorfall, um Panik vor allen anderen Hunden zu haben und diesen nun frei nach dem Motto „Angriff ist die beste Verteidigung“ zu begegnen.

Andere haben eine sogenannte Leinenaggression, d.h. an der Leine führen sie sich wie wilde Tiere auf, ohne Leine sind Hundebegegnungen gar kein Thema. Dies kann einerseits dadurch hervorgerufen werden, das der Hund eine oder mehrere schlechte Erfahrung mit anderen Hunden gemacht hat, als er angeleint war.
Oder es wurde mit Halsband gearbeitet, und jedes Mal wenn z.B. ein junger Hund zu einem anderen Hund hinzieht, weil er spielen möchte, wurde an er an der Leine zurück geruckt. Denn man möchte ja dass der Junghund gesittet zu anderen Hunden geht, und einen nicht hinschleift. Das Problem dabei ist, dass die Hunde das rucken (und das damit unangenehme bis schmerzliche Gefühl) NICHT mit dem ziehen verknüpfen, sondern mit dem Hund der ihnen gerade entgegenkommt. Also bedeutet für diesen Hund ab jetzt: Wenn ich an der Leine bin, und ein anderer Hund kommt auf mich zu, tut das sehr weh ... und schon haben wir eine ausgewachsene Leinenaggression.

Dann gibt es Hunde, die schlecht sozialisiert sind. Sie haben nie gelernt, wie man (bzw. Hund) mit anderen Hunden umgeht, und zeigen daher Angst. Entweder versuchen sie einfach nur noch wegzukommen, oder halten sich andere Hunde durch schnappen und knurren vom Leib.

Alte und/oder kranke Hunde sind ebenfalls nicht immer begeistert von anderen Hunden. Die Knochen tun weh, oder sie sehen nicht mehr so gut, sind vielleicht grundsätzlich unsicherer bei fremden Hunden. Wenn dann ein Hund zu aufdringlich oder wild wird, reagieren solche Hunde oft unwirsch.

Das sind die Hauptgründe, warum einige Hunde andere einfach nicht toll finden, und keinen Kontakt wünschen.

Die Lösung

Wenn man mit einer „Krawallnudel“ unterwegs ist, hört man sich ziemlich viele Dinge von Menschen an, die „Tut nix“ Hunde haben. Hier eine Auswahl der häufigsten Sätze, und meine Antwort darauf:

-       "Die regeln das schon unter sich"

Nein, das müssen die Hunde nicht unter sich regeln, und ich möchte auch gar nicht, das mein Hund meint, er muss das regeln. Das kann erstens ungut für den anderen Hund ausgehen, zweitens wirft uns das, wie schon erwähnt, im Training zurück.

-       "Meiner hält was aus"

Hier möchte ich am liebsten jedes Mal fragen: Ist das ihr Ernst? Sie lassen Ihren Hund bewusst in eine Begegnung laufen, in der er verletzt, zumindest aber mal sehr grob von einem anderen Hund behandelt wird? Sie wollen doch auch nicht, dass ihr Kind von einem anderen angegriffen oder geschubst wird und sich eine blutige Nase holt.


-       "Sie sollten mal in eine Hundeschule gehen, Ihrer ist ja aggressiv"

Meiner hätte nicht aggressiv reagiert, hätten Sie die Distanz eingehalten um die ich sie bat, und damit das Training der letzten 3 Wochen zerstört haben. Darf ich Ihnen die Rechnung für die nächsten Trainings schicken, bis wir wieder an dem Punkt sind, an dem wir waren bis ihr „Tut nix“ in uns reingerannt ist?

-       Und der Klassiker: "Meiner tut nix"

Aber meiner!

Daher die Bitte an alle Menschen, die „Tut nix“ Hunde haben. Es freut mich sehr, das Sie einen sozialen, braven Hund haben. Genießen Sie die Spaziergänge mit ihm, haben Sie Freude daran, dass Ihr Hund mit jedem spielen kann.

Aber Bitte: Wenn Ihnen jemand mit angeleintem Hund entgegen kommt, leinen Sie Ihren Hund an. Wenn Sie nah genug sind, können Sie immer noch fragen ob es in Ordnung ist, wenn die Hunde sich begrüßen.

Wenn Sie sehen das jemand weit ausweicht, lassen Sie Ihren Hund nicht einfach hinrennen. Falls das abrufen noch nicht so gut funktioniert: voraus schauend spazieren gehen und früh genug anleinen.

BITTE diskutieren Sie nicht, warum der Hund denn so aggressiv ist / Angst hat / krank ist. Am meisten hilft es wenn Sie einfach zügig daran vorbei gehen.

Letztendlich geht es um gegenseitige Rücksichtsnahme. Und Ihr Hund stirbt nicht daran, kurz an der Leine zu gehen und einen Hund mal nicht begrüßen zu dürfen. Aber dem anderen ist sehr geholfen! Und die Dankbarkeit des „Krawallnudel“ Halters ist Ihnen auch gewiss! 

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