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Lebensprojekt: P E R F E K T I O N 

 

von Steffi Winter/ PfotenTeam, www.ihr-pfotenteam.de

 

Stress und Überforderung durch zu viele Freizeitaktivitäten beim Mensch - welche Auswirkungen hat Stress auf Körper und Psyche?

Stress zeigt sich körperlich und seelisch. Er kann Magenschmerzen, Kopfschmerzen oder andere Symptome auslösen. Viele Menschen leiden unter einer permanenten Müdigkeit, die sich in Erschöpfung äußert oder sie sind stark gereizt. Vor einer anstehenden Prüfung ist das nichts Ungewöhnliches: man ist gut vorbereitet, beherrscht das Pensum, aber hat Angst zu versagen oder den Erwartungen der Anderen nicht gerecht zu werden. Wenn die körperlichen Anzeichen länger anhalten, sollte man sich Gedanken machen. Vielleicht ist die gewählte Freizeitaktivität oder die Berufswahl nicht die richtige oder es gibt Probleme mit Arbeitskollegen oder im Freundeskreis. Wenn hier nicht gegengesteuert wird, kann es zu psychosomatischen und funktionellen Krankheiten kommen. Menschen können aggressiv werden, depressiv und es gibt auch Personen, die Verhaltensauffällig sind. Sie fallen permanent auf oder das andere Extrem sind Menschen, die sich in ihr Schneckenhaus zurück ziehen. Das hat zur Folge, dass wichtige soziale Bindungen beeinträchtigt werden.

 

 

Stress bei Jugendlichen in schwierigen Lebensphasen:

Jugendliche befinden sich in einer sehr schwierigen Lebensphase. Die Entwicklung vom Kind zum Erwachsenen stellt junge Menschen vor große Herausforderungen und Komplikationen. Biologisch ist die körperliche Entwicklung zu betrachten, mental das Entwickeln der eigenen Identität. Wenn dann noch Konflikte mit den Eltern auftreten, können sehr schnell körperliche und psychische Symptome auftreten.

Stress durch Schule und im Elternhaus

Gerade die Schule beeinflusst Jugendliche sehr stark. Sie stehen ständig unter einem Erfolgsdruck von Seiten der Lehrer und Eltern. Dadurch können Konflikte in der Familie entstehen. Das Streben nach einer makellosen Schulleistung und, mehr noch, nach einer perfekten Kindheit und Jugend ist in den Mittelschichten zu einer kollektiven Zwangsvorstellung geworden.

 

BEI HUNDEN IST DAS NICHT ANDERS!!

Das Lebensprojekt Perfektion endet bei vielen nicht bei sich selbst oder den Kindern, sondern geht leider bereits auf unsere Hunde über.

 

"Perfektion ist der größte Makel - Wer alles ist, kann nichts mehr werden." Maik Alwin

 

Zuviel und ständige Beschäftigung stresst Hunde!
Auch unsere Hunde sind inzwischen im Beschäftigungswahn und werden von einer Spaziergangsgruppe, zur nächsten Wandergruppe, zu nächsten Spielgruppe geschleppt.

 

"Am meisten machen wir falsch, wenn wir alles richtig machen wollen." Helga Schäferling

 

Vor allem dann, wenn die Perfektion der Hundebeschäftigung dazu führt, dass mehrere Hundeschulen gleichzeitig besucht werden. Dies führt zu folgenden Nachteile für die Hunde…

Hund muss sich auf verschiedene Trainer einstellen. Gerade bei z.B. unsicheren oder ängstlichen Hunden kann sich das früher oder später auf die Gesundheit auswirken. Eine erhöhte Ausschüttung der Hormone Adrenalin und Cortisol sorgen für eine Immunsupression. Das bedeutet: Das Immunsystem wird geschwächt und der Hund wird schneller krank. Meist zeigt sich so etwas in Allergien oder Futtermittelunverträglichkeiten.

Um einen guten Trainingserfolg zu erzielen sollte in einem gut geführten Training auch mal die Stressgrenze LEICHT überschritten werden. Kennt der Hund seinen Trainer sehr gut, wird er das ohne Probleme verkraften. Ist der Hund jedoch mit einem eher unbekannten Trainer und der Trainingssituation (z.B. ständig wechselnde Trainingsorte, ständig wechselnde Hundegruppen…) überfordert, findet kein Lernen mehr statt. Der Hund wird die Situation mitmachen, jedoch keinen nachhaltigen Lerneffekt haben. Denn zu viel Stress blockiert das Lernen!

Kein Mensch würde (Gott sei Dank ist das auch gesetzlich nicht möglich) sein Kind auf mehreren Schulen gleichzeitig anmelden.

Oder???

Der Trainer kennt die Hunde nicht genau und Hundegruppen werden wahllos zusammen gestellt. Nicht jeder Hund möchte zu jedem anderen Hund Kontakt haben. Nicht jeder Hund kommt mit jeder Situation klar.

Ohne ein ausführliches Beratungsgespräch kann kein Trainer das Trainingsziel der Hundehalter erkennen und sich dann darauf einstellen. In einem ausführlichen Kennenlernen können auch theoretische Grundlagen zum Training besprochen werden und der Trainer lernt die Vorgeschichte des Hundes kennen. Welche Erfahrungen hatte der Hund bisher? Nur so kann vermieden werden, dass der Hund nochmals in eine Situation gebracht wird, die er bisher als negative Erfahrung abgespeichert hat.

 

Wo fühlen wir uns wohler? Unter Freunden und Gleichgesinnten oder ständig wechselndem Bekanntenkreis oder unter Menschen, die uns völlig fremd sind??? Vertrauen wir jedem Fremden unsere tiefsten Empfindungen an???

Vor allem dann, wenn die Perfektion der Hundebeschäftigung dazu führt, dass mehrere Hundeschulen gleichzeitig besucht werden. Dies führt zu weiteren Nachteile für die Hunde…

 

Kommandos und Handling der Hunde variieren. Auch wenn der Hund nach einer Trainingsphilosophie trainiert wird, so bringt das einen Hund dennoch durcheinander wenn er immer wieder andere Kommandos hört. Folge ist - die Kommandos werden mit der Zeit nicht mehr zuverlässig ausgeführt. Eine klare Signalgebung soll Hunden ein bekanntes Ritual bieten. Umso berechenbarer der Mensch für den Hund ist, umso schneller wird sich der Hund gehorsam zeigen und die Nähe des Menschen suchen.

Möchten wir nicht alle von berechenbaren Personen umgeben sein auf die wir uns verlassen können? Niemand von uns möchte einen Partner, der täglich seine Launen an einem auslässt. Mal himmelhochjauchzend… mal zu Tode betrübt. Oder???

 

Stimmungsübertragung/Stress und Handling anderer Hunde und deren Halter stecken an. Auch wenn der eigene Hund wie immer gehandelt wird, so übertragt sich Hektik oder Stress anderer sehr schnell auf den eigenen Hund. Nehmen wir nur ein Beispiel im Café: Auch wenn wir einen ruhigen Nachmittag im Café genießen können, den Tag frei haben und völlig ohne Zeitdruck sind… So steckt uns dennoch eine hektische Familie mit schreienden Kindern am Nebentisch sehr schnell an und ob wir es möchten oder nicht, wird sich die Lautstärke und Hektik auf uns übertragen! Würden wir den Cafébesuch dann noch genießen???

 

Ausbildung und Trainingsphilosophie der Trainer können völlig konträr sein. Beispiel: gewaltfreies Training… Werden in Hundeschulen gleichzeitig Hunde am Brustgeschirr und Halsband, Kettenwürger, Halti oder mit sonstigen Hilfsmitteln geführt hat das ABSOLUT NICHTS mit Gewaltfreiheit zu tun.

Würden wir einen Handwerker oder Rechtsanwalt beauftragen, der seinen Berufsabschluss Zuhause am PC oder in einem Wochenendkurs gemacht hat???

 

Überforderung des Hundes durch zu viele und zu große Hundegruppen. Auch wenn der Hund in sehr großen Hundegruppen sich zuerst still und brav verhält, so führt eine solche Reizüberflutung aber in manchen Fällen dazu, dass der Stress und/oder Frust an anderen Stellen heraus gelassen wird. Wird ein solcher Hund in einer einzelnen Begegnung sein, wird er dann auch mal schneller unfreundlicher oder genervter auf Hundekontakte reagieren.

Mit einer Hundegruppe von ca. 8-15 Hunden ist ein fachlich kompetenter Trainer bereits mehr als ausgelastet. Ab einer größeren Anzahl ist es unmöglich ALLE Hunde UND Hundehalter im Auge zu behalten und für ausreichend Sicherheit für Mensch und Hund zu sorgen.

Wir können selbst entscheiden ob uns ein großer Menschenauflauf (wie z.B. bei einem Konzert) angenehm ist. Der Hund kann es leider nicht!!!

 

Ein Hund hat nie die Wahl! Er ist seinem Menschen und dessen (oft überzogenen) Trainingszielen ausgeliefert!

 

Sind denn nicht gerade die so liebenswert, die nicht "perfekt" sind? Lieben wir sie nicht gerade wegen ihrer kleinen Fehler? Und wie viele nervt ein Mensch, der von sich glaubt, er sei "perfekt", oder für den nur Perfektionismus in jeder Hinsicht zählt? Rose von der Au

 

Steffi Winter/ PfotenTeam, www.ihr-pfotenteam.de

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