wechsel_20.jpg

10 Jahre Hundeversität

Sich wieder enger mit der Natur und dem Natürlichen in Verbindung zu setzen, das ist vielen Menschen heute ein Bedürfnis geworden.
Vor allem Großstädter leben sehr von der Natur getrennt. Das Zusammenleben mit einem Haustier kann dieses Defizit ausgleichen.

Dafür reicht es allerdings nicht aus, das Tier nur käuflich zu erwerben und anschließend zu versorgen.
Man muss sich mit den üblichen Lebensbedingungen des jeweiligen Tieres auseinandersetzten.
Je näher das Tier an seinem ursprünglichen Lebensraum gehalten werden kann, umso harmonischer ist das Zusammenleben mit diesem Tier.
Und umso näher rückt der Mensch wieder an die Natur.

Holt man sich zum Beispiel eine Kleinhunderasse mit dem Ziel, nur einmal täglich raus zu gehen und das Tier die restliche Zeit an eine Haustoilette oder die Tragetasche zu gewöhnen, sind Verhaltensprobleme vorprogrammiert.Macht man sich zu Beginn die Mühe, sich nach den natürlichen Lebensbedingungen eines jeweiligen Tieres zu erkundigen, verläuft das Zusammenleben in der Regel problemloser.
Auch Haustiere wollen ihren Erkundungsdrang und ihre Neugierde ausleben. Die meisten legen Wert auf Kontakt mit Artgenossen.
Diese Faktoren alleine lassen deutlich werden, dass ein „Haus“-tier nicht alleine, und nicht nur im „Haus“ auf seine Kosten kommt.
Der Mensch muss raus. Raus in die Natur. Genau dort, wo die Tiere auch ursprünglich herkommen.

Sobald man sich mit einem Tier enger in Verbindung setzt bemerkt man, welch komplexes Lebewesen man da vor sich hat. Durch die moderne Gehirnforschung wurde inzwischen bewiesen, dass auch Tiere Gefühle wie Wut, Trauer und Freude empfinden können. Das Gesetz betrachtet Tier nicht mehr rein als Sache. Die Wissenschaft beweist, was viele schon immer geahnt haben: Tiere sind fühlende Lebewesen, die ein Recht auf freundliche und einfühlsame Behandlung haben.

(Im Alltag verschließen viele noch die Augen vor diesen Tatsachen. Würde man sich dieser Tatsache immer bewusst sein, würde man kein Fleisch mehr aus Massentierhaltung essen, keine Eier aus Legebatterien kaufen oder auf Kosmetika mit Tierversuchen verzichten. Man würde Zirkusvorstellungen mit Tieren und gewissen Trainingsmethoden kritischer gegenüber stehen, oder die Haltungsbedingungen in Zoos und Delphinarien hinterfragen.)

Bei einem Haustier hat es der jeweilige Mensch selbst in der Hand, in wie weit er sich mit seinem Tier auf natürliche Weise auseinandersetzen möchte.
Das Tierschutzgesetz greift leider immer noch sehr spät. So bleibt es jedem mit seinem eigenen Tier fast ausschließlich selbst überlassen, wie dieses Zusammenleben aussieht. Soll das Tier nur in meiner Umgebung funktionieren, egal mit welchen Mitteln. Oder bin ich bereit, meine Gewohnheiten zu Gunsten des Tieres zu ändern. Kurz gesagt: soll sich das Tier an mich anpassen, oder passe ich mich auch ein Stück weit dem Tier an. Diese Entscheidung bestimmt darüber, wie nah ich der Natur durch das Zusammenleben mit einem Haustier wieder kommen kann.

Als Tiertrainer wird man ständig mit dem Thema Tierethik konfrontiert. Was kann man mit Tieren machen, welcher Zweck heiligt welche Mittel und was ist nicht mehr vertretbar. Wie weit darf ich mich generell über das Tier stellen. Wir bestimmen über Geburten, Lebensverlauf, Todesezeitpunkt und Todesart der Tiere.
Wir bestimmen darüber, wann und wo sich ein Hund Lösen darf, welches Männchen welches Weibchen wann decken darf, was ein Tier frisst und welche medizinische Behandlung es bekommt. Damit einher geht eine große Verantwortung.

Einer der Ratschläge, die ich jedem Tierhalter mit gebe, lautet: Bleibe immer der Anwalt deines Tieres. Wenn man bei der Behandlung und dem Umgang mit dem Tier nicht selbst Einspruch erhebt, dann macht es meist niemand. Das Tier ist darauf angewiesen, dass man Verantwortung übernimmt. Falsche Obrigkeitshörigkeit gegenüber Züchtern, Verkäufern, Tierärzten und Tiertrainern ist dabei fehl am Platz.

Wir haben den Tieren gegenüber eine Verantwortung. Haustiere sind eine großartige Möglichkeit, diese Verantwortung zu übernehmen...und dabei fast ganz nebenbei auch mit der restlichen Umwelt empathischer umzugehen. Wie schon Mahatma Gandhi gesagt hat: „Die Größe und den moralischen Fortschritt einer Nation kann man daran messen, wie sie ihre Tiere behandeln.“

Tina Tschürtz – Hundeversität (Mitglied vom Gewaltfreien Hundetraining)

www.hundeversitaet.de

Hamburg 2016

0
0
0
s2sdefault
powered by social2s